theoretisch müsste ich jetzt im büro sitzen. praktisch bin ich aber zu hause, weil die tochter bauchweh hat und mit übelkeit kämpft. das verschafft mir ein bisschen zeit, um Ihnen von gestern zu erzählen.
gestern war ich zu gast bei einer erstkommunion. es handelte sich gleichzeitig auch um meine erste kommunion, der ich beiwohnen konnte. ich selber wurde nicht getauft, meine kinder auch nicht. so kam ich bisher nicht in den “genuss” eines solchen spektakels und wusste nur vom hörensagen, was da abgeht. und so stand ich mit meinen kindern vor der basilika des städtchen, ließ mir die sonne aufs gemüt scheinen und empfand innerlich tiefste abscheu vor dem, was sich mir optisch aufdrängte. freunde, NIEMALS hätte ich es fertig gebracht, meine tochter in so ein dämliches weißes kleid zu stecken. wenn die prinzessin eine angehörige der katholischen kirche wäre, dann hätte sie zu diesem ereignis ganz sicher etwas völlig anderes angezogen. wahrscheinlich wäre sie als miniaturausgabe ihrer mutter in einem PT-tauglichen gewand erschienen. vielleicht auch irgendwie ein bisschen festlich. aber auf gar keinen fall in so einem kleinen brautkleid und mit hochgesteckten haaren. und wissen Sie was? meine tochter fand das ganze genauso abscheulich wie ich. nun denn, wir schritten also in die kirche, nahmen platz auf unserer reservierten bank und begannen zu frieren. es war wirklich arschkalt in diesen alten gemäuern. und glauben Sie mir, ich war vernünftig angezogen, mit jeans und jacke. eine stunde lang galt es durchzuhalten. aufstehen, orgelklänge, ein gebet, hinsetzen, eine rede, aufstehen, ein lied, hinsetzen, eine rede, orgelklänge, wieder aufstehen, ein lied, vorsichtig in die runde schauen, ob außer mir noch andere das mitsingen verweigern, beruhigt feststellen, dass ich nicht die einzige bin, hinsetzen, zuhören, nur bahnhof verstehen, orgelklänge, noch mal aufstehen, ein bisschen wackelig auf den beinen sein, immer mehr frieren, heimlich das handy aus der tasche holen und eine SMS schreiben, noch mal ein lied, noch mal nicht mitsingen, auch kein vaterunser beten, noch mal froh sein, dass ich nicht die einzig schweigsame bin, noch mehr froh sein, dass mir das gegenseitige händegeschüttel erspart bleibt, hinsetzen, die vor kälte fast schon blau angelaufenen finger betrachten, aufstehen und so weiter. mag ja sein, dass das alles so seine richtigkeit hatte und die katholisch gläubigen das echt toll fanden. dafür, dass so eine kommunion etwas schönes sein soll, war mir das aber viel zu schwermütig. ein gospelchor, das hätte mir gefallen und wäre der stimmung sicher zuträglich gewesen. ein bisschen in die hände klatschen, damit dem körper und vielleicht sogar der seele warm wird. eine kleine andekdote ins mikrophon geplappert, bei der das publikum lacht und sich auf die schenkel klatscht. warum kann die katholische kirche das nicht? warum muss das so trübselig ablaufen, wenn es etwas ganz großartiges sein soll? nach einer stunde war es geschafft, und wir konnten wieder raus in die frühlingssonne, die uns gestern aufs vorzüglichste verwöhnte. nach fotosession und mittagsmahl saßen wir im garten. ohne jacke und mit entblößten schultern handelte ich mir zwar gleich wieder eine leicht gerötete haut ein, aber das gastspiel der sonne war einfach zu verlockend, um im schatten zu verharren. und so verlief der rest des tages dann doch noch sehr angenehm. amen.