es ist morgens sechs uhr fünfzig. nur mit allergrößter gewalt schaffe ich es, die fahrertür zu öffnen. es bietet sich mir ein anblick des grauens, denn die scheiben sind nicht nur von außen, sondern ganz besonders schlimm von innen gefroren. nach dem geräusch beim anlassen des motors zu urteilen, liegen die temperaturen bei etwa minus zwanzig grad. aber der corsa springt zumindest an. beim anziehen der handbremse vernehme ich knirschende geräusche, die mir angst machen. ich drehe die lüftung auf volles rohr und extra warm und steige mit dem eiskratzer bewaffnet wieder aus. scheiß auf die umwelt, das auto muss schließlich in zwanzig minuten aufgetaut sein. das eis auf den scheiben erweist sich als eins der ganz üblen sorte. ich bin geneigt, in die hütte zu laufen und die kinder zur bushaltestelle zu schicken, weil ich bezweifle, dass sie sonst pünktlich zur schule kommen. da naht die alex und überhäuft mich mit so vielen zuversichtlichen worten, dass ich ihr glaube und tapfer weiterkratze. die gelenke der scheibenwischer sind eingefroren. nicht so schlimm. wischi-waschi werden wir eh nicht brauchen. ich lasse mich auf den fahrersitz fallen und probiere es von innen mit der kratzerei. das führt dazu, dass es im auto schneit. wieder raus. verdammt, der wohnungsschlüssel ist mit dem autoschlüssel verkuppelt. mit meinen trotz handschuhen tiefgekühlten fingern kriege ich den niemals vom schlüsselring. ich stapfe zur haustür und will klingeln, damit mich die kinder reinlassen. der klingelknopf bewegt sich nicht mal ansatzweise. eingefroren. noch mal mit mehr druck. keine reaktion. jetzt aber, ordentlich mit der faust draufhauen. funktioniert … und der knopf bleibt drin stecken. ok, dann klingelt es eben ununterbrochen. wir sind sowieso gleich weg. im befehlston sage den kindern, dass sie sich anziehen sollen. inzwischen hat die klingel ein einsehen und verstummt. ich verfrachte alles gepäck, wir steigen ins auto. handbremse lösen, rückwärtsgang. die räder drehen durch. erster gang und bis zur bordsteinkante vorwärts fahren. das klappt. jetzt wieder den rückwärtsgang und vollgas. ich möchte jubeln, weil wir uns endlich von der stelle bewegen. ich lasse es sein. gang raus, handbremse anziehen, aussteigen, das reserviertschild in der parklücke platzieren. wieder rein ins auto und los.
ich will eine garage.
meine seele war heute ganz schön zerknittert. ich musste sie mir vorhin beim friseur glattföhnen lassen. nun geht’s mir wieder besser. und an morgen früh denke ich erst mal noch nicht.
Super geschrieben! Ich habe ziemlich gefeiert. Mein Mitleid hast Du trotzdem;-)
Um 6.50 Uhr hab ich mich glaube ich nochmal umgedreht… und um 6.50 Uhr hast du die Brut ja schon geweckt, durchs Bad gescheucht und mit Frühstück bzw. Schulbroten versorgt. Ganz davon zu schweigen, dass du ja auch noch irgendwie auf die Füsse kommen musstest - und zwar vorher!
Wenn ich das so lese, freue mich wahrhaftig über: einen festen Stellplatz im wohltemperierten Parkhaus und ein sonst zweckfreies 170 PS Vierrad-Antrieb SUV sowie die Tatsache, dass meine Kids entweder 150 Meter zur Grundschule, 1200 Meter zum Gymnasium bzw. vier oder fünf Stationen mit der U-Bahn haben, deren Haltestelle knapp 300 Meter von der Haustür entfernt liegt. Also alle durch die Tür schieben, zurück ins Warme schlurfen und gut!
Seitdem mein Bruder 90′ seinen Käfer verhökert hat, habe ich in keinem Auto mehr INNEN an den Scheiben Frost gesehen… allerdings ist das auch erst mein zweiter Allgäuer Winter.
oh wie schön, von innen gefroren.
das hab ich seit Monaten minimum 4x die Woche.
effektiv ist Enteiserspray auf Schwamm und dann mit nem Lappen nachwischen.
” … scheiß auf die umwelt, das auto muss schließlich in zwanzig minuten aufgetaut sein. … ”
Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich bin enstsetzt
Schau mal hier:
http://www.potsdam.de/cms/dokumente/10022998_195660/1c69437f/MerkblattMotorenlaufenlassen.pdf
oder hier, da sind natürlich auch wieder einige Befürworter :
http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?t=168332
Und gegen die Vereisung im Auto hilft ein alter Strumpf, gefüllt mit Reis, abgelegt auf dem Armaturenbrett.
Grüße
“Und gegen die Vereisung im Auto hilft ein alter Strumpf, gefüllt mit Reis, abgelegt auf dem Armaturenbrett.”
Na klar und gegen vereiste Rosen im Garten hilft das daneben stellen eines Eimers mit Salzwasser… Am besten man schneidet die alten Zöppe der Verkäuferin des Ökoladens an der Ecke ab und verbrennt sie neben dem überfahrenen Eichhörnchen; dabei gegen den Uhrzeiger drumherum tanzen und laut rufen “dieses Feuer habe ich gemacht…”